Mallorca alles inklusive
  Der Platz vorn und der Platz hinten
 

Es war in der Zeit bevor es auf Mallorca schneite als der gute Jesus und Sankt Peter durch die Welt gingen. Es trug sich einmal zu, dass sie an einem Haus vorbeikamen, anklopften und der gute Jesus sagte: “Gelobt sei Gott!” – “In Ewigkeit Amen!” antwortete eine Stimme aus dem Haus heraus.

Es war die Herrin des Hauses, die drinnen arbeitete, und nun kam sie heraus, um zu sehen, wer da sei.

Der gute Jesus sagte zu ihr: “Würdet ihr uns Quartier geben für diese heilige Nacht?” – “Das könnt ihr haben”, sagte die Hausherrin, “aber was ich euch sagen muss, Brüder, wir hausen hier so unzulänglich, dass wir euch zum Liegen nur einen Strohsack anbieten können, den wir in einem Winkel der Kammer des Großvatrs auf die Erde legen werden; der Großvater allerdings ist ein wenig übellaunig.”

“Aber wir begehren ja nicht mehr!” sagte der gute Jesus. “Alles, was ihr uns geben werdet, nehmen wir mit Handkuss und sind euch dankbar dafür”.

“Das Stroh im Strohsack”, sagte die Hausherrin, “ist, wie ich euch versichern kann, frisch und der Sack gut gestopft, und es hat noch niemand darauf gelegen.” – “Also werden wir wie die Päpste liegen!” sagte Sankt Peter. “Es ist halt nur das”, sagte die Hausherrin, “dass ihr auf der Erde liegen müsst, weil wir es doch nicht soweit gebracht haben, um ein Bettgestell mit vier Pfosten dazu machen zu lassen, worauf man dann den Strohsack hätte legen können”.

“Das ist keine Sache von Bedeutung!” sagte der gute Jesus. “Habt ihr noch nie sagen hören: “Ein Hab-ich ist besser als ein Hätt-ich?”. “Ja Bruder, das habe ich auch schon sagen hören!” entgegnete die Hausherrin. “Und wie wahr es ist. Wie treffend gesagt!”.

Unter derlei Gerede zwischen der Hausherrin, dem guten Jesus und Sankt Peter verging die Zeit, und zu seiner Stunde kam der Hausherr mit seinen Knechten von der Arbeit heim. Sie hörten gerade noch den Rest der Unterhaltung mit dem guten Jesus. Von Sankt Peter aber hörten sie nichts, denn er pflegte still zu sein solange der gute Jesus das Wort führte, weil er es mit jenem Pfarrer hielt, der da sagte: “Solange ich predige, hat die Orgel zu schweigen.”

Mit dem wurde es langsam finster, und so bete man den Rosenkranz und schickte eine Reihe von Vaterunser zu den Heiligen im Himmel hinauf, dann aß man zu Abend und ging, um sich niederzulegen: der Hausherr und seine Frau ins Bett, die Knechte auf den Heuboden, der Großvater in seine Kammer, dorthin auf den Strohsack der gute Jesus und Sankt Peter.

Der Großvater betete seine vier Vaterunser, zum Einschlafen, wie er zu sagen pflegte, und – wums – schon war er ins Bett gesprungen.

Der Arme litt unter einem sehr leichten Schlaf, so dass er bei dem geringsten Geräusch nicht einschlafen konnte, oder wenn er schon eingeschlafen war, wieder aufwachte. Und so schaffte es ihm Verdruss, dass der gute Jesus und Sankt Peter, kaum dass sie sich auf ihrem Strohsack niedergelegt hatten, anfingen, ein Vaterunser hinter dem andern herzuschicken und immer mehr Vaterunser. Der gute Jesus betete leise, aber Sankt Peter ganz laut, so dass der gute Jesus flüsterte: “Peter, bete nicht so laut!” Du hinderst ja den Großvater am Einschlafen, und das ist – zumal in einem fremden Hause – nicht gut”.

Sankt Peter betete nun ein Weilchen leiser, dann kehrte er aber wieder zu seinem lauten Gemurmel zurück.

Der Großvater hörte sich das wohl eine Weile an, ohne etwas zu sagen, weil er bei sich dachte: “Es sind eben fremde Leute”. Aber als er allmählich merkte, dass dieses Gemurmel nicht enden wollte, konnte er nicht mehr an sich halten und rief aus seinem Bett heraus: “Aber mein Guter” Willst du denn überhaupt nicht aufhören?” Merkst du denn nicht, dass die anderen schlafen wollen?”.

“Hast du`s gesehen, Peter?” flüsterte der gute Jesus leise. “Habe ich es dir nicht gesagt, dass du leiser beten sollst?” – “Das ist wahr, Meister”, antwortete Sankt Peter, “es ist halt, dass ich es selbst nicht merkte”.

Sankt Peter fuhrt fort, seine Vaterunser zu beten, nun für eine Weile flüsternd. Aber dann begann er doch langsam wieder lauter zu murmeln, und an einem bestimmten Punkt kehrte er zur alten Lautstärke zurück. Der Großvater aber, als er ihn wieder so laut hörte, machte kurzen Prozess sprang aus dem Bett, ergriff einen Riemen, den er für alle Fälle im Hauses hatte, und ging zu dem Strohsack, von dem das Gemurmel ausging. Zu seinem Pech lag Sankt Peter vorn und der gute Jeses hnten, und so bekam er all die Hiebe, welche der Großvater herniederprassen ließ.

Als der Großvater müde von der Prügelei geworden war, kehrte er in sein Bett zurück. Nachdem sich Sankt Peter von der Tracht Prügel ein wenig erholt hatte, sagte er leise, - so dass man ihn kaum mehr verstehen konnte – zum guten Jesus: “Mein Meister, lass mich doch nach hinten rutschen! Denn es hat mir viel Unheil eingebracht, dass ich vorn gelegen bin.” – “Gut, rutsch hinüber!” sagte der gute Jesus. “Sehen wir, ob es dir dort besser ergeht mit deinem Gemurmel, das du so laut von dir geben musst!” Sankt Peter tat das, so leise er konnte. Und was soll ich euch sagen. Sankt Peter kehrte bald wieder zu seinem lauten Bla-bla zurück, ohne sich zu fürchten und jener launische Großvater, der nun von neuem den Spektakel hörte, konnte es nicht mehr aushalten. Er sprang abermals aus dem Bett und ergriff den Riemen. Dann ging er zum Strohsack und sagte: “Voriges Mal habe ich den verdroschen, der vorne lag; dieses Mal soll derjenige drankommen, der hinten liegt”!

Und es waren ganz schöne Hiebe, die er dem hinten versetzte. Und wenn er das erste Mal schon stark zugeschlagen hatte, um so kräftiger fiel die Prügelsuppe beim zweitenmal aus. Er schlug solange zu, bis ihm endlich der Atem ausging.

Nun hatte Sankt Peter nicht mehr im Sinne, Vaterunser aufzusagen, denn er war mehr zerschlagen als der Esel eines Holzbauers. Er wagte sich kaum mehr zu rühren und schlief endlich ein. Und nie mehr wollte er in einer Kammer liegen, wo es launische und empfindliche Großväter gab.

Und wer es nicht glaubt, der mag selbst suchen gehen.

 
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