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  Der schöne Sklave
 


Der schöne Sklave

(Arta)

Vor langer Zeit, als es auf Mallorca noch nicht schneite, geschah es eines Tages, dass die Mauren den Sohn eines Bauern aus Arta einfingen, um diesen zum Sklaven zu machen. Um das Geschäft mit dem Sklavenhandel lukrativ zu gestalten brachten Sie den jungen Mann der auf den chönen Namen Colau Vey Gabelli hörte mit einem Schiff nach Algier, welches zu der damaligen Zeit eine blühende Handelsstadt mit reichen Kaufleuten und vielen Gelehrten war.

Nach langem Handeln und viel Hin und Her wurde Colau Vey schliesslich an einen der angesehensten Bewohner Algiers verkauft. Da der junge Sklave kräftig war und einen gut gebauten Körper hatte wurde er zu jeder Tages- und Nachtzeit gut bewacht damit er nicht entfliehen konnte.

Der wunderschönen Tochter des reichen Mannes allerdings tat der junge Mallorquiner leid, denn er war im gleichen Alter wie sie. Zum Glück stellte sich Colau Vey sehr geschickt und gewandt bei der täglichen Arbeit im Hause des Mauren an. Mit seinem guten Benehmen und seinem unterwürfigen Verhalten gewann er nach langer Zeit das Vertrauen der Maurin.

Eines Tages sagte sie ihrem Sklaven, dass er wohl nie wieder in seine Heimat zurück kehren wird. Es sei denn, dass er sich in Zukunft tölpelhaft und mit geringeren Arbeitsleistungen vielleicht die Chance einer Rückkehr ermöglichen kann. Solange er aber die gute und schnelle Erledigung der ihm auferlegten Arbeiten schaffe wird das wohl nie geschehen.

So begann der junge Mann von Tag zu Tag, immer etwas weniger Einsatz und Leistung zu zeigen. Sein Herr merkte natürlich nach einiger Zeit, dass sein Sklave wohl leicht blödsinnig geworden ist und schenkte ihm deshalb auch immer weniger Aufmerksamkeit. Gleichzeitig ließ seine Bewachung dadurch immer weiter nach und so geschah es nach einigen Jahren, dass er es schaffte, sich des Schlüsselbundes mit allen Schlüsseln des Hauses und seiner Fesseln zu bemächtigen.

Einige Nächte später gelang es ihm mit Hilfe der Schlüssel seine Fesseln zu lösen und alle Türen zu öffnen. Nach seinem Hinausgehen verschloss er alle Türen auch wieder um seine Flucht so lange als möglich zu verschleiern. Schließlich gelang es ihm nach einiger Zeit im Hafen ein Schiff zu finden welches bereit war ihn wieder mit nach Mallorca zu nehmen.

Nach einer ruhigen Überfahrt freute sich Colau Vey als er die Silhouette seiner Heimatinsel erkannte. Gleich nach erfolgter Landung ging er in die nächste Kapelle und betete zur Nuestra Señora de la Esperanza (Heilige Mutter Gottes der Hoffnung). Den so wichtigen Schlüsselbund, der seine Flucht erst ermöglichte, hing er aus Dank an seine Rettung gleich neben die Skulptur an einen Haken. Viele Jahre konnten die gläubigen Besucher der Kapelle dieses Kleinod dort noch finden und viele Generationen später wurde die Geschichte des Sklaven Gabelli und dessen glückliche Heimkehr immer wieder in den dunkleren Winternächten von den Abuelas und Abuelos an ihre Enkel weiter erzählt.

Von Colau Vey erzählte man sich, dass er noch lange und glücklich im Hause seiner Eltern lebte und dort eine große Familie sein Eigen nannte. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Nun ja, damit sind natürlich nur die Geschichten aus alter Zeit gemeint.



 
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