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  Die Feuerbläserin
 

Na bufa fochs

Die Feuerbläserin
(Manacor)

Es war einmal ein Mann, der Witwer war und der eine sehr schöne Tochter hatte. Nach einiger Zeit der Trauer heiratete er von Neuem. Die Stiefmutter aber konnte das Mädchen nicht ausstehen und quälte es sehr. Eines Tages jagte sie die Stieftochter aus dem Haus. Das Mädchen weinte und weinte bitterlich. Es erschien nach einiger Zeit aber eine wunderschöne Frau und fragte sie, warum sie so weine. Das junge Mädchen erzählte der Frau, dass die Stiefmutter es weggeschickt habe und dass sie jetzt ein Dach über den Kopf sucht und eine Arbeit als Dienstmädchen antreten möchte. Die schöne Frau tröstete das Mädchen und gab diesem zwei Flaschen und sagte ihr: „Wenn du dich mit dem Wasser der einen Flasche wäschst, wirst du sehr hässlich werden, wenn du aber aus der anderen Flasche trinkst, wirst du wieder sehr schön werden. Die Frau gab ihr auch noch drei Mandeln und sagte: “Wenn du eine Mandel öffnest, hast du einen Wunsch frei.“ Das Mädchen bedankte sich und die Frau verschwand.

Das Mädchen nahm das Wasser aus der ersten Flasche und wusch Ihr Gesicht damit, um hässlich auszusehen. Erst jetzt ging sie zu einem herrschaftlichen Haus um anzufragen, ob sie dort arbeiten könne.

„Guten Tag, könnt ihr nicht ein Dienstmädchen brauchen?“  Die Hausherrin antwortete: “Nein wir brauchen kein neues Dienstmädchen.“  Die Köchin, die das hörte, sagte aber zu der Herrin: „Gnädige Frau, wir sollten sie doch nehmen, sie wird wenigstens zum Feueranblasen zu gebrauchen sein“.  Die Hausherrin stimmte zu und alle nannten sie ab jetzt die Feuerbläserin.

Eines Tages sagte die Köchin zu ihr: „Feuerbläserin decke doch den Tisch“.

Schnell deckte sie den Tisch, vergaß dabei aber den Salzstreuer. Der Sohn des Hauses wurde daraufhin recht wütend und schrie das Mädchen an, welches sofort den Salzstreuer holte und ihm brachte.

Am nächsten Tag musste sie wieder eindecken. Diesmal vergaß sie den Salzstreuer und noch eine Gabel. „Feuerbläserin, der Salzstreuer und die Gabel fehlen“, schrie der Sohn das Mädchen an. Wieder wurde er sehr wütend und das Mädchen brachte ihm das Gewünschte sofort nach.

Der Sohn konnte die hässliche Feuerbläserin nicht leiden und dachte schon darüber nach, das Mädchen zu entlassen.

Zu dieser Zeit ereignete es sich, dass ein großer Ball im Dorf gegeben wurde. Der Sohn freute sich auf das Tanzvergnügen und ging hin.

Die Feuerbläserin ging zur Hausherrin und bat sie, dass sie ihr erlaube, ebenfalls hinzugehen und die Dame sagte ihr: „Nein, mein Sohn wird auf den Ball gehen und wenn er dich sieht, wird er sich bestimmt ärgern. Das Mädchen flehte die Herrin aber an mit den Worten:  „Lassen Sie mich bitte gehen, ich versichere, dass Ihr Sohn  mich nicht erkennen wird“. Sie bat so lange, bis schließlich die Hausherrin es erlaubte.

Das Mädchen trank das Wasser aus jener Flasche, das schön machte und zerschnitt eine der Mandeln, die jene unbekannte Dame ihr gegeben hatte. Darin war ein rosenfarbiges Kleid, das zog sie an und ging auf den Ball.

Der Sohn, der schon anwesend war, sah das Mädchen und ging sofort auf sie zu und sagte ihr, dass er gerne mit ihr tanzen möchte und schenkte ihr dafür ein Armband. Als der Ball zu Ende war, wollte sie der Sohn um jeden Preis heimbegleiten. Das Mädchen aber wollte dieses auf keinen Fall. Sie versprach aber, wenn er sie nicht begleite, so werde er sie am folgenden Tage auf einem anderen Ball sehen und sie versicherte ihm, dass sie dorthin kommen werde. So verabredeten sie es und sie eilte schnell davon, wusch sich wieder mit dem Wasser, welches hässlich machte und legte sich zu Bette.

Als der Sohn nach Hause kam, schlief sie schon und so konnte er auch nichts merken. Am folgenden Tag ging der Sohn zur Mutter. „Jesus, meine Mutter, was für ein schönes Mädchen habe ich auf dem Ball gesehen, ich bin in dieses Mädchen verliebt und will es heiraten“. Die Mutter fragte, wer sie denn sei aber der Sohn antwortete: „Ich weiß es nicht, sie war mir unbekannt, aber sie hat mir versprochen, dass sie heute Abend wieder auf den Ball kommen wird und dass wir uns sehen würden“.

Als es Abend war, kam die Feuerbläserin wieder zur Hausherrin. „Liebe Frau, ihr Sohn hat mich nicht erkannt, lasst mich auch heute bitte hingehen“. Die Hausherrin wollte sie wieder nicht gehen lassen. „Wenn er dich erkennt, würde er sich ärgern, dass ich dich hingehen ließ“. Abermals bat sie so lange, bis die Herrin es ihr erlaubte. Wieder trank sie das Wasser aus der Flasche, das schön machte, zerschnitt eine andere Mandel und fand darin ein ganz rotes Kleid. Sie zog es an und ging zum Ball. Der Sohn, als er sie sah, setzte sich sofort an ihre Seite und sagte ihr abermals, dass er mit ihr tanzen wolle und dafür schenkte er ihr ein Ohrgehänge. Als es Zeit war heimzugehen, wollte er sie wieder begleiten aber sie erlaubte es ihm nicht und sagte ihm, dass, wenn er sie nach Hause begleite, sie nicht noch einmal kommen könne. Er solle sie allein gehen lassen und sie würde am folgenden Tage, an dem der letzte Ball war, wiederkommen. Der Sohn stimmte zu, nur um sie wieder sehen zu können.

Als sie wieder zu Hause war, wusch sie sich mit dem anderen Wasser und legt sich ins Bett, ohne dass jemand etwas bemerkte. Am folgenden Tage ging sie wieder zur Hausherrin und sagte ihr:  „Euer Sohn hat mich nicht erkannt, ich bitte, lasst mich heute Nacht wieder dahin“.

„Nein, denn er wird dich diesmal erkennen und wenn er erfährt, dass ich dich hingehen lasse, wird er sich ärgern“. „Ach meine Herrin, lassen Sie mich noch den letzten Abend hingehen, er wird mich auch bestimmt nicht erkennen“. Wieder bat so lange, bis sie das Mädchen doch gehen ließ.

Auch an diesem Abend trank sie wieder das Wasser welches schön machte. Sie zerschnitt die andere Mandel und darin war ein Kleid, ganz himmelblau und mit Gold bestickt, sie zog es an und ging zum Ball.

Und wieder kam der Sohn und setzte sich an ihre Seite. Sie tanzten den ganzen Abend miteinander und zum Schluss schenkte er  ihr eine wunderschöne Brosche. Weil es aber der letzte Ball war, wünscht er sich um so mehr das Mädchen nach Hause begleiten zu dürfen, um zu erfahren, woher sie sei. Aber sie wollte es um keinen Preis und ging fort ohne dass er es bemerkte. Sie ging nach Hause, wusch sich wieder mit dem Wasser, welches hässlich machte und legte sich zu Bett, ohne jemandem etwas davon zu sagen.

Als der Sohn sah, dass sie ihm entlaufen war, ging traurig nach Hause und erzählte seiner Mutter alles, was er erlebt hatte und sagte ihr, dass er gehen wolle, um jenes Mädchen zu suchen.

 

Bereits am folgenden Tage reiste er ab um das Mädchen zu suchen. Der Mutter trug er auf, sie solle ebenfalls schauen ob sie etwas von ihr erfahren möchte. Einige Tage nach seiner Abreise musste man ihm Brot schicken und die Feuerbläserin sagte zur Hausherrin: „Gnädigste, wollt ihr, dass ich das Brot knete?“  „Nein, wenn mein Sohn es erfährt, möchte er nichts davon essen“. „Er wird es nicht erfahren“,  bat sie abermals, „lasset mich doch das Brot kneten“. Sie bat so lange, bis die Hausherrin endlich zustimmte. Nun begann sie zu kneten und in jeden Laib Brot steckte sie ein Briefchen, indem stand: Erbe des Hauses, wohin gehst du und wann kommst du wieder? Das, was du suchst ist in deinem eigenen Haus.

Als der Sohn das erste Brot brach, fand er das Briefchen, las es und sagte zu seinen Dienern, die ihn begleiteten: „Gehen wir, weil meine Mutter das Mädchen schon gefunden hat“. Voll Freude machte er sich auf den Heimweg.
Als er ankam fragte ihn seine Mutter: „Hast du sie schon gefunden, dass du sobald zurückkehrst?“  Er fragte erstaunt: „Meine Mutter, willst du sagen, dass ihr das Mädchen nicht gefunden habt? Ich habe doch die Nachricht von Euch bekommen“. Und er erzählte ihr, was er in dem Brot gefunden hatte.  Um nicht zu verraten, dass die Feuerbläserin das Brot geknetet habe sagte sie, dass es sehr sonderbar wäre und dass sie von nichts wüsste.

Also ging der Sohn erneut fort um das Mädchen zu suchen und beauftragte seine Mutter, sie solle es ihm mitteilen, wenn sie etwas erfahre. Als man ihm wieder Brot schicken musste, sagte die Feuerbläserin wieder: „Gnädigste, lasset mich das Brot kneten.“  „Nein, dass du mir wieder einen Streich machst, wie das letzte Mal, das will ich nicht“.  Das Mädchen aber bat wieder solange bis die Hausherrin abermals zustimmte. Wieder knetete sie das Brot und steckte in jeden Laib abermals ein Briefchen, welches den gleichen Inhalt wie beim ersten Mal hatte. Als der Sohn wieder das Briefchen las, sagte er: „Dieses Mal wird es aber wahr sein, meine Mutter muss sie schon gefunden haben.“ Ganz schnell kehrte er nach Hause zurück. Als er ankam, ging die Mutter auf ihn zu und fragte ihren Sohn, „Was bringst du dieses Mal? Hast du sie schon gefunden?“ „Nein“, antwortete der Sohn. „Ich habe sie nicht gefunden“. Und er sagte ihr, wie er wieder das Briefchen gefunden habe.

Von diesem Tage an fing er an zu kränkeln und er konnte sich nicht wieder auf den Weg begeben um das Mädchen zu suchen. Er wurde immer kranker und verlor täglich mehr und mehr seine Lebensfreude. Eines Tages musste er sich zu Bette legen und er bat darum man sollte ihm ein Süppchen geben. Die Feuerbläserin sagte zur Hausherrin: „Gnädige Frau, darf ich ihm das Süppchen bringen“?  „Nein“,  antwortete diese.  „Damit er imstande wäre, dir die Suppenschale an den Kopf zu werfen, ich will es nicht.“  „Bitte erlaubt doch, dass ich es ihm bringe, ihr werdet sehen, dass er die Suppe essen wird“. So lange bat sie, bis schließlich die Hausherrin zusagte. „Gehe hin und bringe ihm das Süppchen“.  Das Mädchen ging in die Küche und füllte das Süppchen in eine Suppenschale. Darauf tat sie die Brosche, welche ihr der Sohn auf dem Ball gegeben hatte. Nun stellte sie eine weitere Suppe darauf, dann die Ohrgehänge, dann noch eine andere Suppe, dann das Armband und wieder eine andere Suppe darauf und so brachte sie es ihm. Als der Sohn das hässliche Mädchen sah, begann er zu schreien:  „Augenblicklich hinaus, ich will sie nicht hier darin haben, ich will sie nicht sehen“. Die Feuerbläserin sagte aber: „Lieber Herr, verkosten sie doch, sie werden sehen, dass sie gut ist.“  „Nein, ich will es nicht“. „Kosten Sie bitte, es wird ihnen bestimmt schmecken“. „ Nein, geh hinaus“.

„Lieber Herr, essen sie doch bitte zumindest eine Suppe“. „Nur damit du weggehst“, sagte der Sohn und er aß die obere Suppe. Als er das Armband fand, erstaunte er und sagte: “Du weißt von meinem Mädchen; du kannst mir sagen, wo es ist, gestehe, wer dir dieses gab“.

Sie sagte: „Lieber Herr, essen Sie die andere Suppe, die noch viel besser sein wird“. Er aß sie und fand jetzt die Ohrgehänge. „Esst bitte auch die andere Suppe, die noch besser ist“. Und er aß sie und fand die Brosche, die er dem schönen Mädchen auf dem Ball geschenkt hat. Er sprach zum Mädchen: „Feuerbläserin, du kannst mir sagen, wo mein Mädchen ist, du weißt es.“ „Wollen Sie sie sehen?“, fragte das Mädchen.  Er antwortete: „Ja und sofort“. Daraufhin wusch sich das Mädchen mit dem Wasser, zog das rosenfarbige Kleid an, zeigte sich dem Sohn und fragte: „War es diese?“. „Ja, sie war es, das ist mein Mädchen“. Sie ging wieder weg, zog das rote Kleid an und fragte wieder: „War es diese?“. „Ja, sie war es“. Und sie ging wieder weg, um das himmelblaue, ganz mit Gold bestickte Kleid anzuziehen und fragte wieder: „War es diese?“. „Ja, sie war es. Du bist das Mädchen, das ich liebe“.

Bereits nach wenigen Tagen war er wieder gesund. Jetzt wurde eine große Hochzeit gefeiert und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

 

Quelle:

Erzherzog Ludwig Salvator: Märchen aus Mallorca. Würzburg, Leipzig: Verlag der Kaiserlichen und Königlichen Hofbuchhandlung von Leo Woerl, 1896, freie Überarbeitung von Mallorca-alles-inklusive.

 
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