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  Die zwölf Diebe
 

Es dotze Iladres

Die zwölf Diebe

(Sa Pobla)

Ein Mann hatte Söhne, von denen einer verheirathet war. Dieser Mann war sehr arm und er suchte täglich durch Holztragen etwas zu verdienen. Eines Tages suchte er Holz in der Nähe von einer Höhle und da sah er zwölf Diebe darauf zugehen und sagte:

– Was soll ich jetzt thuen? Wenn sie mich erblicken, werden sie mich tödten, es sind ihrer so viele. Ich will auf diesen Baum steigen. Und er stieg hinauf.

Die Diebe kamen an und sagten:

– Oeffne bitsoch, und die Höhle öffnete sich und sie gingen hinein.

Nach kurzer Zeit kamen sie wieder heraus aus der Höhle und sagten:

– Schliesse bitsoch, die Höhle schloss sich und sie gingen fort.

Als sie nicht mehr da waren, stieg er vom Baume und sagte: Oeffne bitsoch, die Höhle öffnete sich und er ging hinein. Hier fand er viel Geld, er belud seinen Esel damit und sagte dann:

– Schliesse bitsoch. Die Höhle schloss sich und er ging fort.

Als er nach Hause kam, sagten seine Kinder zu ihm:

– Mein Vater, was bringst du uns, was bringst du uns?

– Etwas Gutes, antwortete er ihnen und seinem Aeltesten befahl er, zum Hause des verheiratheten Bruders zu gehen, er solle ihm ein Mass leihen.

Dieser verheirathete Sohn hatte einen Verkaufsladen, es ging ihm sehr gut und täglich kamen seine Brüder, um zu sehen, ob er ihnen etwas zu essen gebe und er jagte sie immer fort.

– Was willst du mit dem Mass machen, hast du Läuse zu messen?

– Ich weiss nicht was wir damit machen sollen, antwortete ihm der Bruder.

Er brachte das Mass nach Hause und sie massen das Geld darin.

Als sie mit dem Messen fertig waren, brachte er das Mass wieder zurück und was machte der verheirathete Sohn, er zerlegte das Mass, um zu sehen, was sie gemessen hatten und fand in den Fugen ein kleines Goldstück. Nun ging er zum Hause seines Vaters, um zu erfahren, was er gemacht habe, um so viel Geld zu bekommen.

Sein Vater wollte es ihm anfangs nicht sagen, allein nach vielen Bitten seines Sohnes sagte er ihm alles.

Was macht der Sohn, er geht zu jener Höhle und sagt: Oeffne bitsoch und er geht hinein. Als er im Innern war, hatte er vollständig vergessen, was er sagen müsse, dass sich die Höhle öffne und um zu sehen, wie er herauskäme, sagte er:

– Oeffne Simona, öffne Peter, öffne Johanna, Anna, aber die Höhle öffnete sich nicht und er und der Esel blieben daselbst eingeschlossen.

Als er sah, dass er auf keine Art und Weise herauskommen konnte, versteckte er den Esel in einem Goldhaufen und er versteckte sich ebenfalls darin, aber mit einem Ohr heraussen, um hören zu können, was die Diebe sagten, um die Höhle zu öffnen und um es dann selber sagen zu können und herauszukommen.

Die Diebe kamen in die Höhle herein, warfen einen Blick auf den Goldhaufen und sahen, dass davon fehlte und sagten:

– Man hat an diesem Goldhaufen etwas gemacht.

Sie durchsuchten alles genau, sahen das Ohr jenes Mannes, das herausragte, sie zogen daran und es kam der Versteckte zum Vorschein.

Er sagte ihnen, dass wenn sie ihn nicht tödten würden, er ihnen sage, wer das Geld hätte, dass er keines weggetragen habe, dass er lediglich nach seinem Vater gekommen sei und dass dieser es sei, der das fehlende Geld besitze.

Um aus dem Hause des Vaters das Geld wieder zu erhalten, verabredeten sich die Diebe, dass sich ein jeder in einen Schlauch stecken solle und der Sohn solle seinem Vater sagen, dass er zwölf Schläuche Oel kaufen solle, welche grossen Gewinn einbrächten, da man es sehr billig verkaufte.

Also machten sie es und als die zwölf Schläuche im Innern des Hauses waren, sagte ein Diener zu einer Magd.

– Wollen wir Krapfen machen, weil jetzt viel Oel da ist? Machen wir sie.

Er begann, einen Schlauch zu öffnen und als der Dieb, der darin war, das Geräusch hörte, sagte er:

– Ist es schon Zeit? damit meinte er, ob es schon Zeit sei, aus den Schläuchen herauszukommen, um das Geld zu nehmen, indem er dachte, dass es der verheirathete Sohn sei, der sie nach der Verabredung, aus den Schläuchen herausziehen sollte.

Als der Diener das hörte, antwortete er:

– Nein, es ist noch nicht Zeit.

Er ging zur Magd und sagte ihr was ihm zugestossen war und die Magd erwiderte, dass er Furcht gehabt habe und dass diese es ihn habe hören lassen, er solle nicht furchtsam sein und einen anderen Schlauch aufmachen.

Er begann nun, einen anderen Schlauch aufzumachen und aus dessen Innerem fragte man ihn dasselbe. Als er das hörte ging er zum Pächter, um es ihm mitzutheilen und als es der Pächter vernommen hatte, sagte er:

– Das ist mein verheiratheter Sohn, jener Dieb, der mir diesen Streich gespielt hat.

Was macht der Pächter? Er lässt von den Dienern ein Feuer anmachen, mit vielem Holz, damit es eine grosse Flamme wurde, um die Schläuche hinein zu werfen.

Wie das Feuer angemacht war, warfen sie alle Schläuche hinein. Die Diebe verbrannten und er besass das ganze Geld, das in der Höhle war.

Quelle:

Erzherzog Ludwig Salvator: Märchen aus Mallorca. Würzburg, Leipzig: Verlag der Kaiserlichen und Königlichen Hofbuchhandlung von Leo Woerl, 1896, S. 117-125.

 
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