Mallorca alles inklusive
  Märchen
 

Die Zahl der märchenhaften Erzählungen ist auf Mallorca eine ungeheuere und ein grosses Feld für die Folkloristen steht noch offen, bevor der nivellirende Wind moderner Kultur das alles weggefegt haben wird.

Möge der Leser aus diesen wenigen sich eine Vorstellung machen, die ich aus einer grossen Menge auswählte, die ich in allen Ortschaften der Insel nach meinen Angaben von Dn. Antonio Peña, dem intelligenten Sohn des hervorragenden mallorquinischen Schriftstellers Dn. Pedro de Alcantara Peña sammeln liess. Ich liess dieselben wörtlich nachschreiben, wie sie aus dem Volksmund kamen, um ihnen ihre kindliche Naivetät zu belassen, ohne dabei etwas zu ändern. Auf dieselbe Weise liess ich sie in der gesprochenen Sprache niederschreiben, ohne dieselben in einer korrekteren, reineren, der gemeinsamen Sprache Aragons sich nähernden zu übertragen, wie die grössere Mehrzahl mallorquinischer Schriftsteller bei eigentlich literarischen Arbeiten wohl mit Recht zu thun pflegen; es schien mir nämlich für diesen speziellen Fall entsprechender zu sein, die Richtung jener Mallorquinischen Schule anzunehmen, welche das Mallorquinische schreibt, wie es gesprochen wird.

Man kann eigentlich drei verschiedene Gruppen aus den Rondayes Mallorcas machen, die eigentlichen Märchen (Rondayes), phantastisch, häufig lang und komplizirt, die Erzählungen oder Cuentos, zumeist kürzer und theilweise auf Wahrheit beruhend und die Fets oder wahre Geschichtchen, die manchmal wenn sehr kurz mit dem einfachen Namen von Cuatre Mots oder vier Worte bezeichnet werden.

Originaltext von Erzherzog Ludwig Salvator (einschliesslich der Grammatik)

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Eigenartige Geschöpfe und Wesen sind in den mallorquinischen Legenden und Märchen häufig zu finden. Vergleichbare Gestalten und Figuren gibt es aber auch weltweit. Wer kennt nicht die Geschichte von der Loreley am Rhein? Auf Mallorca gibt es so etwas ähnliches. Sitzen doch die Dones d´Aigo (Wasserfrauen) auf Brunnenrändern oder am Meeresufer und kämmen ihr langes blondes Haar mit einem goldenen Kamm. Mit ihrem verführerischen Aussehen ziehen sie die Männer in ihren Bann. Bei genauem hinsehen kann man aber auch eine körperliche Missbildung entdecken, meistens ist das ein Gänsefuß.

Eine andere Geschichte erzählt von einem Mann mit Namen Biel Perxanca, der in Pollenca lebte. Er verliebte sich in eine Wasserfrau und heiratete sie. Miteinander hatten sie dann zwei Kinder. Biel Perxanca hielt sich aber nicht an sein Versprechen, das alle Wasserfrauen ihren Männern abnehmen: Auf keinen Fall soll der Mann sie nach der Trauung mehr als Wasserfrau bezeichnen. Perxanca tat es allerdings in einem unbedachten Moment doch. Es geschah was geschehen musste, die Frau nahm ihre Kinder und stürzte sich mit ihnen in einen Brunnen im Carrer Montisio in Pollenca. Wer genau hinhört, kann manchmal ihr Wehklagen auch heute noch vernehmen.

Außerdem gibt
es die Hexe Na Maria Enganxa. Übersetzt heisst das etwa: Maria, die festhält. Kinder, die einem Brunnen zu nahe kommen, zieht sie mit ihren haarigen und großen Händen in die Tiefe. 

Di
e Dimonis Boiets sind Kobolde und kleine Zwerge. Man findet sie überall da, wo Fliegenpilze wachsen. Die lebhaften und fleißigen kleinen Kerle leben in den Pilzen oder auch in den Häusern in der Nähe. Wenn man sie im Wald findet, kann man sie mit nach Hause nehmen. Dort machen sie sich sehr nützlich, allerdings muss man sie unter Kontrolle halten und sie ständig beschäftigen. Wenn ihr Eigentümer auf ihre Frage: Y Que farem, feina, feina (Was sollen wir tun, Arbeit, Arbeit) beim dritten Mal nicht antwortet, stürzen sie sich auf ihn und bringen ihn um. Ein wenig Vorsicht ist also geboten, wenn Sie einen oder mehrere von den Dimonis Boiets mit nach Hause nehmen. Wer nicht mehr weiß, was man den Kobolden als Beschäftigung geben soll, dem rate ich zum Beispiel als mögliche Arbeit: Lassen Sie die Zwerge schwarze Schafwolle weiß waschen oder sie sollen die Sterne des Firmaments zählen. Damit dürften die Kobolde ausreichend beschäftigt sein. 

Als Tipp für Wanderfreunde wäre folgender Ratschlag manchmal von Nutzen.

Wer sich als Wanderer verirrt oder nicht genau weiß, welchen Weg er nehmen soll, der sollte eine "Cavall de serp" (Gottesanbeterin (Mantis religiosa)) suchen. Setzen Sie diese auf Ihre Handfläche. Nach einiger Zeit wird Sie sich zunächst drehen und sobald sie in ihrer Gebetshaltung verharrt, wird sie mit ihrem Kopf die korrekte Richtung vorgeben. (Ohne Gewähr)

Oder wissen Sie, wie der Berg Randa entstanden ist? Als es nämlich noch nicht auf Mallorca schneite, kam ein Gigant (Riese) aus Algerien über das Mittelmeer. Unter seinen Füßen hatte er jeweils ein grosses Schiff. Er kam allerdings bei der Isla Cabrera ins Stolpern und verlor sein Gleichgewicht. Beide Schiffe unter seinen Füssen drifteten auseinander und er musste sich mit seinem Stock abstützen. Dadurch enstand der Brunnen von Cala Pi. (Pou de Cala Pi)

Er stolperte daraufhin über den Gebirgszug Serra de Galdent in Llucmajor und spaltete ihn an einer Stelle. Auch heute noch wird dieser Ort "Y Sa sopegada des gegant" genannt. (Der Stolperer des Riesen) Schließlich stürzte er zu Boden und dabei fielen ihm die Steine aus dem Korb, den er auf dem Kopf trug. Der größte Stein davon bildete den Berg Randa. Aus einem Schweißtropfen des Gesellen wurde außerdem die Süßwasserquelle Na Tomasa am Fuß des Berges gespeist.

Es gibt noch Unmengen an Sagen, Legenden und Märchen auf Mallorca. Kennen Sie zum Beispiel den langnasigen Joan aus dem Märchen "Es nas de dos pams" oder die Fee aus "Sa filla del sol i sa lluna"? Wenn nicht, sollten Sie vielleicht einmal nach Arta in das Museum ArtArta fahren. Maria Isabel Sancho hat sich einen Kindertraum erfüllt und in ihrem Haus ein einzigartiges Museum geschaffen. Als Kind hörte Maria die alten mallorquinischen Geschichten aus dem Mund ihrer Großmutter. Seitdem gehört ihr Herz den Märchenfiguren. Dem Maurenkönig mit den langen Lippen, der nur durch den Kuss einer Frau von seinem Makel befreit werden kann. Den drei Eremiten mit den weißen Rauschebärten, die alle Tiere in Feld, Wald und Wasser beschützen. Und dem dummen Köhler, der sich mit zwei Kürbissen ins Bett legt, weil der Nachbar ihm erzählt hat, dass sie sich mit Wärme in Eselein verwandeln.

ArtArta ein Erlebnis der besonderen Art

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