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  Muro
 

 Muro


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Auf einem Hügel 100 Meter über dem Meeresspiegel liegt im Nordosten Mallorcas das stille Örtchen Muro. Nur beim Stierkampf tobt in Muro das Leben. Die Gemeinde wurde im Jahre 1300 von König Jaime II zur Kleinstadt ernannt und gehört damit zu den ältesten der Baleareninsel. Bis vor wenigen Jahren war die Landwirtschaft hier noch die Haupteinnahmequelle. Heute verdienen die knapp 7000 Einwohner ihren Lebensunterhalt meist mit dem Tourismus oder im Baugewerbe. Auch die Platja de Muro gehört mit zum Gemeindegebiet.

Muro hat mit der Pfarrkirche Església Sant Joan Baptista, dem Santa Ana Kloster und anderen sehenswerten Bauwerken wunderschöne künstlerische und architektonische Sehenswürdigkeiten zu bieten. Ein kleines völkerkundliches Museum zeigt traditionelle Möbel, eine Schmuckwerkstatt und ein Wasserrad im Garten. Auch die Lage der Ortschaft ist einmalig, denn man ist geschützt vor Wind und Frost oder vor Überschwemmungen. (Was ja auch bekanntlich seltener in den Bergen vorkommt) Die jüngeren Bewohner Muros plagt die Langeweile. Denn außer einer Sportanlage gibt es keine weiteren Freizeitangebote. Selbst mir ist aufgefallen: nicht viel los in diesem Ort. Ein paar Minuten habe ich mich aber trotzdem aufgehalten.  

Denn beim Besuch des Museums für Völkerkunde in Muro gibt es doch einiges zu erfahren. Die Araber gaben diesen Ort zunächst den Namen "Badaluc". So nannten die Mauren jene Orte, von denen man weit in die Ferne blicken konnte. Die heutige Bezeichnung "Muro" ist aber wahrscheinlich römischen Ursprungs.

Als die Bevölkerung irgendwann merkte, daß mit dem Tourismus an der Küste einfacher und mehr Geld zu verdienen ist, sattelten viele Menschen um. Die landwirtschaftlichen Betriebe wurden nach und nach aufgegeben. Der Fleiß der Einwohner aber blieb. Und deshalb ist Muro auch eine sehr wohlhabende Gemeinde. Auch wenn man das auf den ersten Blick nicht vermutet. Mit dem Tourismus kam zwar das große Geld aber die Idylle ging ein wenig verloren. Im Vergleich zu anderen Orten auf der Insel ist Muro aber immer noch ein verträumtes Nest.

Das bestätigt uns auch Juan, der ein gebürtiger Murero ist: "Hier kann man noch in Ruhe und Zufriedenheit leben." Er ist einer der Angestellten der Policia Local, die in Muro für Recht und Ordnung sorgen. Von Kriminalitätsbekämpfung zu sprechen, wäre ein wenig übertrieben. Denn einen Banküberfall oder ein anderes schweres Verbrechen hat es hier meiner und seiner Kenntnis nach noch nicht gegeben. Deshalb ist Juans wichtigste Aufgabe auch die Regelung des Straßenverkehrs: "Wir haben durch die vielen engen Straßen größere Verkehrsprobleme. Nur am Wochenende gibt es hier keine Staus." Wen wundert es, denn ihre Freizeit verbringen die Einwohner Muros lieber direkt am Meer. Fast jeder der Bewohner hat ein weiteres Haus in Can Picafort.


Man sagt, dass die Mureros Dickköpfe sind. Was sie nicht wollen, machen sie auch nicht. Und wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben, kämpfen sie so lange, bis sie es erreicht haben. Ich denke keine so schlechte Eigenschaft der Bewohner.

Aus diesem Holz war auch Jaime Serra Palau geschnitzt. Irgendwann in den 20er Jahren erklärte er seinen Freunden im Verlauf eines "sopar de matances", das ist ein Abendessen beim Schlachtfest, er wolle eine Stierkampfarena in Muro bauen. Noch mehr als das Vorhaben als solches überraschte der Ort, an dem er sein Werk bauen wollte: im größten Steinbruch Mallorcas. Er wollte diesen ausschachten, ihn kreisförmig gestalten und während der Schachtarbeiten Sitzreihen in die Steine hauen. Mit dem Verkauf des ausgeschachteten Materials hoffte er sein Werk finanzieren zu können, das er ohne die Mithilfe von Technikern, Architekten und sogar ohne Pläne durchzuführen gedachte.


Von Beginn an hatte Jaime mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Denn schließlich gab es weder Bagger noch Lastwagen für den Abtransport der vielen Tonnen Schutt. Der Stein, der teilweise nicht die erhoffte Qualität zeigte, wurde mittels Sprenglöchern und Dynamit sowie mit Spitzhacke und Schaufel herausgebrochen. Nach einer Bauzeit von über zehn Jahren wurde "La Monumental", das einen Durchmesser von 37, 5 Metern mißt, letztendlich fertiggestellt.

Aufgrund Jaime Serras Beharrlichkeit kann Muro heute voller Stolz auf eine Stierkampfarena blicken, die durch ihre ungewöhnlichen Charakteristiken ohnegleichen auf der Welt ist. Das Fassungsvermögen beträgt fast 6000 Menschen. Während der Feierlichkeiten zu Ehren des Schutzheiligen San Joan Baptiste (24. Juni) sind hier "noch" die Stierkämpfe der Höhepunkt. Für jeden spanischen Stierkämpfer ist und war es immer ein Bedürfnis, einmal im "Monumental de Muro" aufzutreten.

Seit Ende September 2013 gibt es nun eine Stierkämpferschule. Dem Nachwuchs wird Gelegenheit gegeben ihre "Kunst" auch vor Publikum zu zeigen. Viele junge Mureros und Mureras warten ständig auf den nächsten Stierkampf in Muro. An diesen Tagen ist endlich mal etwas los im Ort. Denn gute Bars sind hier Mangelware. Eine Disco gibt es auch nicht. Es gibt zwar ein Kino im Städtchen, doch das hat nur in den Wintermonaten geöffnet.

Etwa ein Dutzend alter Männer sitzen tagtäglich an beiden Seiten der Carrer Santa Anna auf ihren roten Mahou-Plastikstühlen und strahlen Zufriedenheit aus. Die Alten mit den schlohweißen und grauen Haaren scheinen sich hier fast nie wegzubewegen. Wenn man an mehreren Tagen hintereinander durch den Ort fährt, hat man das Gefühl, dass die Männer immer die Gleichen sind. Trotzdem versiegt der Redeschwall niemals. Sogar über die Straße hinweg wird diskutiert. Leider alles in einer Sprache, die ich nicht beherrsche. Na ja, was nicht ist kann ja noch werden.

Eines der wichtigsten und schönsten Gebäude ist die
Església Sant Joan Baptista. Sie wurde bereits 1248 in der Bulle Innozenz' IV. erwähnt. Um 1570 wurde sie durch ein neues Gotteshaus ersetzt. Ein wuchtiger Glockenturm mit quadratischem Grundriß gehört zwar zur Kirche, ist aber nur außen angesetzt. Der Bau der Kirche begann am 19. Februar 1570. Fertiggestellt und gesegnet wurde sie am 22. Juni 1611.

Die "Capelleta de la Sang" (Kleine Kapelle des Blutes) - auch "Casa de l' Almoina" (Haus der Almosen) genannt - wurde zwischen 1414 und 1429 erbaut und befindet sich in der Nähe des Rathauses. Sie hat eine schlichte Fassade mit Relief in Form einer "Capellita" mit Kruzifix und zwei Fischen sowie dem Emblem seines Gründers. Sie gehört zum testamentarischen Nachlaß des vermögenden Priesters Jaime Mollet. Er wollte, daß man an diesem Ort Essen an die Armen des Städtchens verteilt. Diese Kapelle im romanischen Stil wurde zu diesem Zweck verwendet, diente aber gleichzeitig auch als Schule, Sitzungsort der Richter und als Archiv. Gleich nebenan stand das Hospital, wo die Kranken und Armen behandelt wurden.

Außerdem ist noch das "Convent de Sta. Anna" zu erwähnen. Die ehemalige Klosterkirche war früher eine Klause, zu der die Einwohner Muros pilgerten, um Jesus Christus über Santa Anna, seine Großmutter mütterlicherseits, aufzusuchen. Diese Heilige wurde in ganz Mallorca im Mittelalter inbrünstig angebetet. Von der alten Kapelle ist jedoch nur der Türsturz übriggeblieben, da die Mönche nach und nach ein neues Kloster bauten.

Fazit: Es kann sich für den Besucher durchaus lohnen, mal einige Zeit länger hier zu verweilen. Es muß ja nicht unbedingt sofort ein ganzer Urlaub sein. Schauen Sie sich um und entdecken Sie das urtümliche Mallorca.

Wer schön und gut baden gehen möchte, fährt an die Platja de Muro. Eigentlich sind es vier verschiedene Strände, die da wären: Ses Fotges, Platja des Brac, Es Comu und Casetas des Capellans, besser bekannt als Es Capellans. Alles, was das Touristenherz und das der Einheimischen begehrt, wird auch angeboten. Sand und Wasser sind von bester Qualität und bekommen seit Jahren die blaue Flagge.
 

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