Mallorca alles inklusive
  Sencelles
 

Sencelles



Größere Kartenansicht


Die Sencellers spielten meistens keine besondere Rolle im Zeitgeschehen der Insel. Aber auch sie zollten in Form von Steuern und Getreideabgaben reichlich Tribut. Menschen aus Sencelles zogen immer wieder für fremde Könige in den Krieg. Bekannt sind und waren die berühmten Steinschleuderer. Manchmal wurden sie auch in Interessen verwickelt, die sie selbst nur wenig betrafen. So findet man in den Archiven des Ortes viel Geschriebenes über nationale und internationale Konflikte.

Sencelles                             Església Sant Pere
 

         
© Mallorca-alles-inklusive

Sencelles zählt zu den größeren Gemeinden der Ebene Mallorcas. Allerdings nur dann, wenn es um die Fläche geht. Ansonsten hat die Gemeinde nur etwa 3200 Bewohner. Darunter sind auch einige deutsche Residenten. (etwa 100)  Sie liegt dort, wo der Pla de Mallorca fast flach wie ein Brett ist. Der höchste "Berg", wenn man denn von einem Berg sprechen kann, ist knapp 160 m hoch. Der Gemeindeverwaltung unterstehen sechs weitere Dörfer und Gehöfte: Biniali, das größte von ihnen sowie Cascanar, Jornets, Judí, Laiar, Ruberts und Sonarrosa. (Biniali kenne ich bereits, die anderen möchte ich erst noch kennen lernen)

Die Kirche Sant Pere wurde auf dem Platz einer früheren Kapelle erbaut. Der Bau begann im Jahr 1691 und dauerte bis 1704. Aber auch danach wurden immer wieder Erneuerungen und Erweiterungen durchgeführt. Diese Pfarrei ist dem heiligen Pedro geweiht. Man erreicht das Hauptportal über eine Doppeltreppe. Die Kirche ist eine der schönen Sehenswürdigkeiten im Ort. Wer mehr sehen möchte, sucht am Besten die vielen Brunnen, die im Ort und in der Umgebung zu finden sind.


© Araceli Merino

Wer sich für Archäologie und die prähistorische Zeit interessiert, ist in Sencelles aber genau richtig. Rund um den Ort und die benachbarten Ortschaften findet man reichlich Zeugnisse von Besiedlungen aus prähistorischer Zeit. Die beeindruckendste unter ihnen ist der Talaiot Son Fred nahe der kleinen Ortschaft Jornets. Die Größe der Steinbrocken ist enorm und man fragt sich als Laie, wie haben die damaligen Bewohner solche Gewichte transportiert. Oder wie hat man es geschafft, dass die einzelnen Steine ein fast glattes Mauerwerk ergeben. Dieser kreisförmiger Talayot wird gebildet aus mehreren Reihen von bis zu 4 Meter hohen Steinblöcken. Sie finden diesen gut erhaltenen Talaiot auf der Strecke von Inca nach Sencelles. Er liegt von Inca aus kommend auf der linken Seite auf einer kleinen Anhöhe.

Als in arabischer Zeit die Insel in Alquerias (Bezirke) aufgeteilt wurde, war Sencelles Teil des Distrikts Quanat al-Arusa. Sprachwissenschaftler sehen die Wurzeln des Namens aus dem Lateinischen. Die Wortherkunft könnte von "centum cellas" stammen, das bedeutet im Katalanischen "cent celles = hundert Wege". Obwohl ich nur einige wenige Wege gesehen habe, die in den Ort führen, könnten ja auch die kleinen Gassen im Ort gemeint sein. Und die sind absolut lohnenswert zu besuchen. Manche nennen diesen Flecken auch "den Ort der 100 Namen". Wer löst diesen gordischen Knoten der Geschichte. Viele haben sich schon dran versucht und es werden bestimmt noch viele andere versuchen die Namensherkunft zu deuten.

Die schöne Gemeinde
Sencelles hat für Besucher, die ein wenig Zeit mitbringen, zahlreiche schöne und bedeutende Sehenswürdigkeiten zu bieten. Außer der gerade beschriebenen Talayotkultur-Fundstelle Son Fred gibt es noch die Windmühlen Can Picapebre, Can Cinto, d’En Ferrero und Son Pelea, die ebenfalls einen Besuch wert sind, genauso wie die Wegkreuze Creu de Can Maví, Creu de Sa Cometa, Creu de S’Era d’En Pelat und Creu des Rafal. Ich gebe zu, es dauert bis man alles gesehen hat, aber es lohnt sich auch.

Nach der Eroberung Mallorcas durch Jaume I. teilte dieser die Insel unter den Familien seiner Getreuen auf. Die arabische "Alqueria Canarossa" ging an den Vicomte de Bearn. In diesem Zusammenhang wurde Sencelles 1237 erstmals urkundlich erwähnt. Die Familiengeschichte der Bearns lieferte auch den Stoff für den Roman "Bearn" von Lorenc Villalonga. Der nach dem Roman im Tal von Orient gedrehte Spielfilm in katalanischer Sprache ging in die Filmgeschichte Spaniens ein.
Ob er jemals in deutscher Sprache gezeigt wurde ist mir unbekannt.

Die landwirtschaftliche Nutzung der Gegend um Sencelles herum hatte schon früh begonnen. Der fruchtbare Boden der Ebene brachte den Bauern eine reiche Ernte an Getreide und Wein ein. Man erbaute viele Windmühlen, um das geerntete Mehl zu mahlen. Die meisten Mühlen sind leider mittlerweile zerfallen, nur noch einige steinerne Sockel sind erhalten. Vielleicht schafft es die Balearenregierung die wenigen übrig gebliebenen Mühlen zu restaurieren. Über die Jahrhunderte hinweg war das Bild der Landschaft von großen Schaf- und Ziegenherden geprägt. Heute findet man nur noch selten größere Ansammlungen von Tieren.

   
© Mallorca-alles-inklusive

Die wohlhabende Gemeinde beschloss bereits Ende des 14. Jhdts. den Bau einer Straße nach Inca. In dieser Zeit verzeichneten die Bücher über tausend Einwohner, für damalige Verhältnisse eine große Zahl. Doch dann wütete auf Mallorca gleich dreimal die Pest und mehr als 200 Sencellers starben. Auch auf der restlichen Insel fielen damals viele Menschen der Pest zum Opfer.

Für den König von Aragon war es daraufhin ein Leichtes, die geschwächte Insel einzunehmen. Er heuerte eine große Kriegsflotte für seine Kriege gegen Genua, Sardinien und Kastilien an und blutete die Insel mit wahnwitzigen Steuern aus. In den Archiven von Sencelles kann man nachlesen, dass in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hohe Verpflichtungen an Abgaben und die Rekrutierung von Einwohnern für die kriegerischen Machenschaften Pedros IV. gefordert worden sind. Bewohner des Ortes wurden nach Alcúdia beordert, um große Schutzwälle zu bauen. Viele Männer aus Sencelles wurden gezwungen, an dem Krieg gegen Kastilien teilzunehmen. Im Jahre 1365 wurden sie verpflichtet, Andratx und die Gewässer vor Dragonera gegen die feindlichen Attacken der Soldaten Kastiliens zu verteidigen.

Die Folge blieb nicht aus. Die Bauern verarmten mehr und mehr. Mußten sie doch durch diese Dienste den Anbau von Getreide und Wein vernachlässigen, so dass sie ihre Pachtzinsen nicht mehr bezahlen konnten. Während der Bauernaufstände, der Revolta Forana, wurden im Raum Sencelles Landgütern beträchtliche Schäden zugefügt, viele Bauern verließen ihr Land. Es kam sogar so weit, dass der zuständige damalige Richter der Obrigkeit mitteilen mußte, dass die Payes keine Steuern mehr zahlen können und dass viele der Bauern ihr Land verlassen haben.  

Die Mehrheit der Bevölkerung arbeitete meistens in der Landwirtschaft, aber es gab auch einige kleinere Handwerksbetriebe. Wer zu damaligen Zeiten als Schmied, Schreiner, Maurer, Schuhmacher oder Weber arbeiten konnte, hatte es etwas einfacher, sein tägliches Brot zu verdienen. Die Sencellers mußten an die Obrigkeit immer wieder reichlich Getreide, Wein, Schafe und Ziegen als Steuern zahlen.

Das 18. Jahrhundert war häufig von Dürrezeiten geprägt. Zum Glück entwickelten sich die Dinge aber langsam zum Besseren. Es wurde bereits damals eine Gesellschaft für die wirtschaftliche Entwicklung Mallorcas gegründet. Hauptaufgabe war die Verbesserung der Landwirtschaft, um für die Bevölkerung eine bessere Versorgung zu gewähren.

Sencelles hatte Mitte des vorletzten Jahrhunderts die höchste Einwohnerzahl in seiner Geschichte zu vermelden. 1855 sank dann die Anzahl von fast 4000 auf unter 3000 Einwohner. Der einfache Grund war, dass das Dorf Costitx  eigenständig geworden ist. Im 19. Jahrhundert war der Umfang des Exports von mallorquinischen Weinen stark angestiegen. Auch Sencelles war mit seinen Weingärten ein wirtschaftlicher Erfolg beschert.

Als dann aber die Mehltauplage im Jahre 1890 dem Weinanbau ein Ende setzte, wurden viele der Weingärten durch Mandel- und Johannisbrotplantagen ersetzt. Trotzdem sind viele Mallorquiner damals nach Südamerika ausgewandert. 

Das 20. Jahrhundert begann für Sencelles mit einem Gefühl der Hoffnung. Im Dorf herrschte emsige Tätigkeit und man begann mit der Fabrikation von Konserven und Dachziegeln.

Feste:

Am 5. Februar wird Santa Agueda gefeiert. In der Nacht vorher gibt es Freudenfeuer mit Würstchengrillen in den Gassen. Folklorische Darbietungen und ein Wettbewerb der prachtvollsten Kutschen bestimmen das Tagesbild.

Am 27. Februar ist Beata Sor Francinaina. (Francinaina Cirer) Die in mallorquinischer Volkstracht gekleideten Kinder des Dorfes bringen der frommen Frau Blumengaben dar.

Am 2. Sonntag im Mai ist die Romería de Sa Casa Blanca. Die Wallfahrt findet zu Fuß, zu Pferde, in der Kutsche oder auch mit dem Traktor statt.

Am dritten Sonntag im Mai ist der große Jahrmarkt mit Landwirtschafts- u. Automobilmesse. Schau von Exemplaren der Schafs- u. Ziegenzucht sowie Handwerker-Markt. Am Montag danach wird, in einem kleineren Rahmen, die lokale Messe Es Firó veranstaltet.

Am 15. August ist die Fira Mare de Déu de agosto. Sportliche und musikalische Veranstaltungen, Theater und immer wieder gerne ein großes Abschlussfeuerwerk.

Francinaina Cirer lebte in ihrem kleinen Häsuchen, das in der Nähe eines Talaiots gelegenen war. Die Bevölkerung nannte sie liebevoll "di sa Tia Xiroia" (Tante). Sie verstand es durch soziale Aktivitäten und kleine Feste die Ärmsten der Armen um sich zu vereinen. Ganz im Gegensatz zu den Regeln der übrigen Klöster, in denen die Nonnen unter strengster Abgeschiedenheit ihr Einsiedlerdasein führen mussten. Francinaina Cirer trat dann, dem 1798 gegründeten Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzens von Paul bei. Es war eine reine Frauengemeinschaft von Menschen mit einer sozialen und karikativen Zielsetzung. Die Glaubensgemeinschaft der Vinzentinerinnen legen nur für jeweils ein Jahr ihr Gelübde ab.

Die mildtätige Frau galt als die Heilige von Sencelles, schon lange bevor der Papst sie 1989 auf dem Petersplatz im Vatikan als Heilige auch anerkannte. Die Räume die Francinaina Cirer zuletzt im Dorf bewohnte, zeigen neben ausführlichen Bilddokumenten von der Heiligsprechung auch außerordentlich gut erhaltene und liebevoll zusammengestellte Haushaltsgeräte. Die Besucher können sich erfreuen an einer klassischen Calderon aus Ton, welche zum Erhitzen des Wassers am Kamin benutzt wurde. Spindeln, gesponnene Wollknäuel und handgewebte Stoffe sind Zeugnisse der handwerklichen Fähigkeiten der Heiligen.

Das Denkmal vor der Kirche des Dorfes zeigt, in Stein gehauen, verschiedene Situationen aus dem Leben der Vinzentinerin. Sie verteilte Lebensmittel an die Bewohner und brachte ihnen lesen und schreiben bei. Seit ihrer Heiligsprechung gibt es im Ort auch eine Carrer del Papa. (Papst)

Wer mehr über den Ort wissen möchte, klickt auf den Ortsnamen:    Sencelles 

 

 
  Seit dem 01.04.2012 waren bereits 528851 Besucher auf unserer Mallorca-Seite